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Der umfassende Leitfaden zu Steigfellen

ZAG


Deine Skins verändern alles

Skitourengehen bedeutet, aus eigener Kraft aufzusteigen. Und was dich dabei nach oben bringt, sind nicht allein deine Beine, sondern deine Felle. Zwei Stoffstreifen, die unter deinen Skiern befestigt sind. Optisch nichts Besonderes. Aber den Unterschied zwischen einem gut ausgewählten Paar Felle und einem ungeeigneten Paar spürst du schon nach den ersten hundert Höhenmetern. Beim Gleiten. Beim Halt. An der Energie, die dir noch bleibt, wenn du oben ankommst.

Dieser Leitfaden behandelt alles, was man wissen muss, um die richtigen Steigfelle auszuwählen, die Materialien zu verstehen, den Kleber richtig zu pflegen und die Lebensdauer der Ausrüstung zu verlängern. Denn an Steigfelle geht man genauso heran wie an Skier: mit der Präzision eines Shapers und den hohen Ansprüchen eines Skifahrers.

Was ist eine „PEAUX DE PHOQUE“?

Der Name „Seehundfell“ ist ein historisches Erbe. Die ersten Felle, die zum Aufstieg an Hängen verwendet wurden, bestanden tatsächlich aus Seehundfell, dessen in eine Richtung ausgerichtete Haare ein Vorwärtsgleiten ermöglichten und gleichzeitig ein Zurückrutschen verhinderten. Das ist seit Jahrzehnten nicht mehr der Fall. Moderne Steigfelle bestehen aus synthetischen Fasern oder Mohair (Angoraziegenhaar), doch der Name ist geblieben.

Das Prinzip hat sich nicht geändert. Ein Steigfell ist ein Streifen aus gewebtem Material mit ausgerichteten Fasern, der mithilfe von Klebstoff und/oder Halterungen unter dem Ski befestigt wird. Wenn man den Ski nach vorne drückt, legen sich die Fasern flach, und der Ski gleitet. Bei einer Rückwärtsbewegung richten sich die Fasern auf und greifen in den Schnee. Dieser einfache Mechanismus ermöglicht den Aufstieg beim Skitourengehen.

Oben am Anstieg zieht man die Steigfelle ab, faltet sie zusammen, verstaut sie im Rucksack oder in der Jacke und stellt die Bindungen auf Abfahrtsmodus um. Der Wechsel dauert ein paar Minuten. Nach einigen Touren geht das schon ganz automatisch.

Die Materialien: Mohair, Nylon und Mischgewebe

Das samtweiche Robbenfell – die Oberfläche, die mit dem Schnee in Kontakt kommt – kann aus drei verschiedenen Fasertypen hergestellt werden. Jedes Material hat seine Vorzüge und seine Grenzen. Die Wahl hängt von deiner Art des Skifahrens ab.

Mohair

Mohair

Mohair ist ein natürliches Haar der Angoraziege. Es ist das traditionelle Material für Steigfelle und gilt nach wie vor als Maßstab in Sachen Gleitfähigkeit. Seine geschmeidigen und feinen Fasern bieten einen hervorragenden Kompromiss zwischen Haftung und Bewegungsfreiheit. Auf kaltem, hartem Schnee gleitet ein Fell aus 100 % Mohair deutlich besser als ein synthetisches Fell.
Der Schwachpunkt: die Haltbarkeit. Mohair nutzt sich schneller ab als Nylon und ist weniger widerstandsfähig gegenüber wiederholter Nässe.

Nylon (Kunstfasern)

Nylon (Kunstfasern)

Synthetische Nylonfasern sind dicker, rauer und widerstandsfähiger. Sie bieten einen besseren Halt bei Nässe und auf hartem Schnee. Der Nachteil: Sie gleiten schlechter als Mohair, was sich auf langen, scheinbar ebenen Strecken und bei Querungen bemerkbar macht.

Steigfelle aus 100 % Nylon sind heutzutage selten, aber das Material wird häufig in Mischfellen verwendet.

Mohair-Nylon-Mischung

Mohair-Nylon-Mischung

Dies ist der Marktstandard und die von ZAG für sein gesamtes Fellen-Sortiment gewählte Variante. Die Mischung vereint die Gleitfähigkeit von Mohair mit der Strapazierfähigkeit und dem Grip von Nylon. Die Anteile variieren je nach Hersteller.

Die von POMOCA hergestellten ZAG-Felle bestehen zu 70 % aus Mohair und zu 30 % aus Nylon – eine Mischung, die vor allem auf Gleitfähigkeit ausgelegt ist und gleichzeitig eine lange Lebensdauer gewährleistet.

Der Klebstoff für die Seehundfelle

Der Kleber ist das, was die Felle am Ski hält. Er ist auch der Bestandteil, der am schnellsten verschleißt, wenn man ihn nicht pflegt. Wenn man versteht, wie er funktioniert, kann man die Lebensdauer seiner Felle verlängern.

WIE FUNKTIONIERT DAS?
Moderne Steigfelle verwenden einen druckempfindlichen Acrylkleber. Dieser haftet bereits bei einfachem Kontakt an der Skisohle, ganz ohne Wärme oder chemische Aktivierung. Das System ist so konzipiert, dass es wiederverwendbar ist: Man klebt es auf, zieht es ab und klebt es wieder auf – und das hunderte Male während der Lebensdauer eines Steigfells.


WAS DEN KLEBER ANGRIFFEN
Feuchtigkeit ist der Feind Nummer eins. Eine feuchte Klebefolie verliert innerhalb weniger Wochen ihre Haftkraft. Hitze beschleunigt die Alterung: Lassen Sie Ihre Klebefolien niemals in einem in der Sonne stehenden Auto oder in der Nähe einer Heizung liegen. Staub, Haare und Textilfasern, die an der Klebefläche haften bleiben, verringern ebenfalls nach und nach die Haftkraft.


WANN UND WIE MAN NEU BEKLEBT
Wenn das Fell nicht mehr richtig auf dem Ski haftet (Luftblasen, sich während der Auffahrt ablösende Ränder, Haftungsverlust bei Kälte), muss es neu beklebt werden. Dabei wird der alte Kleber entfernt (mit einem Bügeleisen bei niedriger Temperatur oder einem geeigneten Lösungsmittel) und anschließend eine neue Schicht Spezialkleber für Felle aufgetragen. Mehrere Hersteller bieten Nachklebesets an. Diese Arbeit erfordert Präzision, verlängert aber die Lebensdauer der Felle um mehrere Saisons.

So wählt man die richtigen Steigfelle aus

DIE BREITE
Die Breite
des Steigfells muss der Breite der Skilaufsohle entsprechen. Ist das Steigfell zu schmal, bedeckt es nicht die gesamte Laufsohle, wodurch der Halt beeinträchtigt wird. Ist es zu breit, ragt es über die Kanten hinaus und behindert das Gleiten. 
Ideal ist ein Fell, das die Lauffläche von Kante zu Kante bedeckt und dabei auf jeder Seite 1 bis 2 mm der Kante sichtbar lässt, um den seitlichen Halt in der Kurve zu gewährleisten. Die ZAG-Felle werden unter Berücksichtigung der exakten Form jedes Skis lasergeschnitten; die Breite ist über die gesamte Länge der Lauffläche optimiert, nicht nur im Mittelbereich.


DIE LÄNGE
Das Fell muss die gesamte Sohle bedecken, von der Skispitze bis zur Skihilfe. Die für ein bestimmtes Skimodell vorgeschnittenen Felle sind so kalibriert, dass sie exakt passen. Universal-Felle (Trim-to-Fit) werden breiter und länger geliefert, und du schneidest sie mit einem mitgelieferten Schneidewerkzeug selbst zurecht.


SPEZIELL ANGEPASSTE FELLEN VS. UNIVERSALFELLEN
Speziell angepasste Felle werden werkseitig für ein bestimmtes Skimodell zugeschnitten. Der Zuschnitt passt sich der Form des Skis an, die Anbringung erfolgt sofort und das Ergebnis ist optimal. Dies ist die einfachste und leistungsstärkste Wahl. Universalfelle bieten mehr Flexibilität; ein einziges Paar kann an mehrere Skier angepasst werden. Allerdings erfordert das manuelle Zuschneiden etwas Sorgfalt.


DAS BEFESTIGUNGSSYSTEM
Zusätzlich zum Kleber sind die meisten Felle mit einer Schaufelhalterung (einem Haken, der an der Skispitze befestigt wird) und manchmal mit einem Fersenhaken ausgestattet. Die Schaufelhalterung sorgt für zusätzliche Sicherheit: Selbst wenn der Kleber während des Aufstiegs nachlässt, bleibt das Fell an seinem Platz.

Die ZAG-Felle

Man wählt seine Felle genauso aus wie das Holz für einen Skikern: Das Material bestimmt das Fahrgefühl. Alle ZAG-Felle werden nach dem Schweizer Maßstab hergestellt, der seit über 80 Jahren in diesem Bereich gilt. Identische Zusammensetzung über das gesamte Sortiment hinweg: 70 % Mohair / 30 % Nylon, POMOCA-Kleber. Jede Artikelnummer ist so vorgeschnitten, dass sie sich genau an die Form des jeweiligen Skis anpasst; dieselbe Logik der Übereinstimmung von Form und Funktion wie bei unseren Skiern.

PRO-SERIE (WEISS)
Das Performance-Modell, eine Weiterentwicklung des berühmten CLIMB PRO GLIDE. Das ist das Steigfell für regelmäßige Bergsteiger und anspruchsvolle Touren. Beste Gleitfähigkeit seiner Klasse bei Mix-Fellen, branchenführende Anti-Verklumpungsbehandlung, hohe Strapazierfähigkeit. Entwickelt, um allen Geländearten gerecht zu werden, denen man bei mehrtägigen Bergtouren begegnet.


CLASSIC-SERIE (SCHWARZ)
Das zuverlässige Einstiegsmodell. Gleicher hochwertiger Velours wie beim Pro-Modell, vereinfachtes Membran- und Klebesystem. Leicht, praktisch, einfach zu handhaben. Entwickelt für Gelegenheitsskifahrer, die ein robustes und erschwingliches Produkt suchen, ohne sich den Kopf zu zerbrechen.


VERFÜGBARE ARTIKELNUMMERN
Die ZAG-Felle sind in speziellen Ausführungen für jedes UBAC-Modell erhältlich und für eine exakte Passform vorgestanzt. Für die breiteren Skier der SLAP-Reihe ist außerdem eine „Ready to Climb“-Variante in 125 mm erhältlich.

Pflege und Lagerung

Gut gepflegte Felle halten mehrere Saisons. Falsch gelagerte Felle sind möglicherweise schon nach wenigen Monaten unbrauchbar. Die Pflege ist einfach, sollte aber nicht vernachlässigt werden.

NACH JEDEM EINSATZ
Lassen Sie die Felle bei Raumtemperatur trocknen, wobei der Kleber der Luft ausgesetzt sein muss. Legen Sie sie nicht auf einen Heizkörper und lassen Sie sie nicht in einer feuchten Tasche liegen. Das vollständige Trocknen dauert einige Stunden. Dies ist der wichtigste Schritt, um den Kleber zu schonen.


LAGERUNG ZWISCHEN DEN EINSÄTZEN
Lagern Sie die Felle flach liegend oder hängend an einem trockenen und temperierten Ort. Vermeiden Sie im Sommer eine unisolierte Garage: Die Hitze macht den Kleber weich und beschleunigt dessen Alterung.


LANGFRISTIGE LAGERUNG (ZWISCHEN DEN SAISONEN)
Am Ende der Saison die Felle vollständig trocknen lassen, den Zustand des Klebers überprüfen und eventuelle Fremdkörper (Kiefernnadeln, kleine Steinchen) entfernen. Lagern Sie sie flach liegend mit dem Schutznetz an einem kühlen und trockenen Ort. Manche Skifahrer kleben die Felle für die Zwischensaison auf die Skisohle; das funktioniert, sofern der Lagerort geeignet ist.


ANZEICHEN FÜR EINEN AUSTAUSCH
Anhaltender Haftungsverlust trotz erneuter Verklebung. Abgenutzter, abgeflachter Velours, gequetschte Fasern, die sich nicht mehr aufrichten. Risse oder Delaminationen. Der Grip hält auch in moderaten Steigungen nicht mehr. Wenn die Felle diese Symptome zeigen, erfüllen sie ihre Aufgabe nicht mehr und es ist Zeit, sie zu ersetzen.


SCHNEEVERFESTIGUNG: VERSTEHEN UND VERMEIDEN
Von Schneeverfestigung
spricht man, wenn sich Schnee unter den Fellen ansammelt und einen kompakten „Schuh“ bildet, der jegliches Gleiten verhindert. Das ist eines der frustrierendsten Probleme beim Skitourengehen. Man kommt immer weniger voran, gleitet immer schlechter, und das Gewicht unter den Füßen nimmt mit jedem Schritt zu.


WARUM DAS PASSIERT

Das „Bottage“ tritt hauptsächlich bei Temperaturen um 0 °C auf, wenn der Schnee feucht ist. Das im Schnee enthaltene Wasser schmilzt beim Kontakt mit der Steigfelle und gefriert sofort wieder, wodurch eine Eisschicht entsteht, an der sich immer mehr Schnee festsetzt. Es handelt sich um ein mechanisches Phänomen, das mit den Bedingungen zusammenhängt und nicht auf einen Materialfehler zurückzuführen ist; allerdings sind manche Felle dagegen widerstandsfähiger als andere.


WIE MAN ES VERMEIDET
Die in den Velours integrierte Anti-Verklumpungsbehandlung ist die erste Verteidigungslinie. Die ZAG POMOCA Pro-Felle verfügen über eine Anti-Verklumpungsbehandlung, die das Phänomen deutlich reduziert. Ergänzend kann man vor der Tour ein Anti-Verklumpungsspray oder -wachs auftragen; dies ist besonders im Frühling und bei mildem Wetter hilfreich. In der Praxis: Wenn sich die Felle zu verklumpen beginnen, die Felle abnehmen, den angesammelten Schnee abkratzen, erneut Wachs auftragen und weitergehen. Manche Skitourengeher nehmen aus diesem Grund einen Kunststoffschaber in ihrem Rucksack mit.

Das Wichtigste

Gute, sorgfältig ausgewählte und gut gepflegte Steigfelle sorgen für einen flüssigen Aufstieg. Weniger Energieverschwendung beim Kampf gegen das Rutschen. Weniger Frust bei den Querungen. Mehr Kraft, wenn du oben ankommst. Und mehr Kraft oben bedeutet mehr Spaß bei der Abfahrt.

Es ist ein unauffälliges Ausrüstungsstück. Aber es ist dasjenige, das die Verbindung zwischen dir und dem Hang herstellt; dasjenige, das die Kraft in Bewegung umwandelt.

Unsere Skier und Tourenfelle

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