DIE KUNST DES SKIFAHRENS
Skifahren ist eine Form des Ausdrucks. Der Berg wird zum Medium. Die Art und Weise, wie sich ein Skifahrer darauf bewegt, offenbart seine Weltanschauung.
Einige Skifahrer streben nach architektonischer Präzision und betrachten den Hang als eine Leinwand, auf der Form und Struktur aufeinandertreffen. Andere streben nach Vertikalität und suchen nach Gelände, in dem sich die Folgen mit jedem Meter verstärken. Manche kanalisieren pure Energie und bewegen sich außerhalb aller Konventionen. Das sind keine Stile. Das sind Sprachen. Verschiedene Arten, dieselbe Beziehung zur Schwerkraft, zum Schnee und zum Raum auszudrücken.
Der Künstler Greg Podevin arbeitete mit drei ZAG-Skifahrern zusammen, um diese Sprachen in visuelle Formen zu übersetzen. Er studierte die Bilder und beobachtete, wie sich Julien Regnier, Mathis Dumas und Enak Gavaggio bewegten. Anschließend führte er mit jedem von ihnen ein Gespräch.
„Das Ziel war es, hinter die Persönlichkeit des Sportlers zu blicken“, erklärt Greg. „Ich habe ihre Sprache im Schnee dank des Videos verstanden, aber ich musste mit ihnen sprechen, um noch tiefer zu gehen.“
Das Ergebnis sind drei Porträts, die sich in keiner Weise ähneln. Denn die Skifahrer fahren auch in keiner Weise auf die gleiche Weise Ski.
Julien Regnier
Julien spricht über Skifahren, wie man über Architektur sprechen könnte. Er spricht von Volumen, Linien und räumlichen Spannungen. Der ehemalige Rennfahrer, der nun als Shaper arbeitet, nähert sich den Bergen mit einer technischen Präzision, die nur einem einzigen Ziel dient: den Moment zu erreichen, in dem Kontrolle dem Fluss weicht.
„Ich liebe Architektur“, sagt Julien. „Mehr als Ästhetik oder Physik geht es mir um visuelle Identität. Formen und Skulpturen faszinieren mich, aber immer durch das Prisma der Architektur.“
Er untersucht, wie Licht mit Schnee interagiert und wie die Wahl des Objektivs die Wahrnehmung beeinflusst. Greg hat dies in eine visuelle Form übersetzt. Das Porträt zeigt eine fließende Bewegung, die in einer starren Struktur enthalten ist. Präzision trifft auf Lockerheit.
Mathis Dumas
Mathis fährt dort Ski, wo es keinen Spielraum für Fehler gibt: Steile, exponierte Hänge im Hochgebirge. Das ist Bergsteigen, getarnt als Skifahren. Die Umgebung wird weitläufig und gnadenlos. Mit zunehmender Höhe werden die Konsequenzen immer gravierender.
Das Porträt von Greg spiegelt diese Realität wider. Die Komposition unterstreicht das Größenverhältnis. Der Skifahrer wirkt angesichts des Berges klein. Die Gefahr liegt in der Vertikalität selbst. Das Werk untersucht, was diese Form des Skifahrens erfordert. Leichte Ausrüstung für ernsthafte Ziele. Das Hochgebirge als Leinwand.
Das Porträt geht über die Verherrlichung hinaus und tendiert zur Dokumentation.
Enak Gavaggio
Enak Gavaggio bringt eine ganz andere Energie mit. Er kommt aus dem Skicross. Hat eine punkige Sensibilität. Er erzählt Geschichten, die von Gartenzwergen bis zu Tattoos reichen, und lebt in einer Welt, in der der Instinkt vorangeht und Konventionen folgen.
„Ich habe mein ganzes Leben lang gespielt“, sagt Enak. „Es hat mir immer Spaß gemacht, Figuren zu erfinden. Aber gleichzeitig bleibe ich mir selbst treu. Ich verliere mich nicht.“
Er drückt sich durch Alter Egos aus. Rancho, seine legendäre Figur, verwischt die Grenzen zwischen Performance und Realität. Greg wollte diese Ausgelassenheit in ihrer ganzen Intensität einfangen. Jemand, der sich außerhalb des erwarteten Rahmens bewegt. Das Ergebnis kanalisiert diese Energie, ohne sie zu filtern. Heavy Metal, übersetzt in Schnee.
Eine Unterstützung, drei Sprachen
Die drei Porträts haben optisch fast nichts gemeinsam. Das von Julien betont die architektonische Präzision. Das von Mathis vermittelt vertikale Konsequenz. Das von Enak verkörpert anarchische Freude. Dennoch passen sie zusammen.
„Trotz ihrer Unterschiede“, bemerkt Greg, „haben sie etwas Grundlegendes gemeinsam.“
Die drei Skifahrer nutzen den Skisport, um etwas auszudrücken, das über die sportliche Leistung hinausgeht. Der Berg wird zum Medium, durch das sie kommunizieren. Gregs Porträts dokumentieren drei unterschiedliche Dialekte derselben Sprache. Skifahren als Kunstform. Drei Künstler, die auf radikal unterschiedliche Weise mit derselben Leinwand arbeiten.