Der umfassende Leitfaden zum Skitourengehen
Skitouren: Die Berge in ihrer reinsten Form
Alles, was man wissen muss, um die richtige Ausrüstung auszuwählen, den Sport zu verstehen und in die Berge aufzubrechen.
Es gibt einen Moment, in dem sich alles ändert. Du verlässt die Piste. Die Skilifte verschwinden hinter dir. Übrig bleiben das Geräusch deiner Felle auf dem Schnee, dein Atem und der Berg, der sich vor dir auftut. Das ist Skitourengehen. Aus eigener Kraft aufsteigen. Die eigene Route wählen. Dort abfahren, wo noch niemand zuvor gewesen ist.
Man muss kein erfahrener Bergsteiger sein. Man muss nicht sein ganzes Leben lang Ski gefahren sein. Skitourengehen richtet sich an alle, die etwas anderes suchen: einen direkten Kontakt mit dem Gelände, eine Anstrengung, die jedem Schwung Bedeutung verleiht. Und eine Ausrüstung, die genau dafür entwickelt wurde: Jeder Ski hat eine Form, eine Absicht, eine Art, den Berg zu deuten. Dieser Leitfaden hilft dir, die Sportart zu verstehen, die richtige Ausrüstung auszuwählen und sicher mit der passenden Ausrüstung auf Tour zu gehen.
Was ist Skitourengehen?
Beim Skitourengehen, auch „Rando“ genannt, steigt man mit Skiern und unter die Sohlen geklebten Steigfellen in die Berge auf und fährt anschließend, nachdem die Steigfelle entfernt wurden, im Freistil wieder hinunter. Im Gegensatz zum klassischen Alpinski gibt es keine Skilifte. Der Skifahrer leistet die Krafteinsätze beim Aufstieg selbst.
Die Skitourenausrüstung ist auf diese doppelte Anforderung ausgelegt: leicht beim Aufstieg, leistungsstark bei der Abfahrt. Die Bindungen verfügen über einen Gehmodus (freie Ferse) und einen Abfahrtsmodus (gesperrte Ferse). Die Skier sind leichter als Alpinski und verfügen über Konstruktionen, die das Gewicht reduzieren, ohne die Stabilität zu beeinträchtigen.
Es gibt verschiedene Herangehensweisen an diese Sportart. Beim klassischen Skitourengehen stehen Effizienz beim Aufstieg und die Leichtigkeit der Ausrüstung im Vordergrund. „Freerando“ – ein Begriff, der in den 2010er Jahren mit dem Aufkommen breiter und leichter Skier wie dem ZAG UBAC entstand – kombiniert den Aufstieg mit Fellen mit einer freeride-orientierten Abfahrt auf breiteren und verspielteren Skiern.
Für wen ist Skitourengehen geeignet?
Skitourengehen ist nicht nur etwas für Profis. Wenn du auf roten Pisten sicher Ski fahren kannst, verfügst du über die technischen Voraussetzungen, um mit dem Skitourengehen zu beginnen. Die Herausforderung liegt woanders: bei der körperlichen Fitness (der Aufstieg erfordert eine anhaltende kardiovaskuläre Anstrengung) und bei der Kenntnis der Bergwelt (Geländekunde, Wetter, Sicherheit).
Der Skitouren-Einsteiger sucht nach einer fehlerverzeihenden, leicht zu manövrierenden Ausrüstung, die schon bei den ersten Schwüngen abseits der Piste Vertrauen vermittelt. Einen Ski mit einem guten Verhältnis von Gewicht und Stabilität sowie einem zugänglichen Flex.
Der regelmäßige Skitourengeher möchte einen vielseitigen Ski, der sowohl im lockeren Pulverschnee als auch auf verfahrenem Schnee eine gute Leistung erbringt. Er sucht einen intelligenten Kompromiss zwischen Aufstieg und Abfahrt.
Der Freerider, der auf Skitouren umsteigt, will beim Abfahrtsgefühlkeine Abstriche machen. Er möchte einen breiten, verspielten Ski, der im Tiefschnee schweben kann und gleichzeitig leicht genug ist, um seine Schwünge zu verdienen.
So wählst du den richtigen Tourenski aus
Die Wahl eines Tourenskis hängt von einigen wichtigen Faktoren ab. Jeder dieser Faktoren wirkt sich direkt auf das Fahrgefühl beim Aufstieg und bei der Abfahrt aus.
Die Skispurbreite
Diesist das Maßin Millimetern an der schmalsten Stelle des Skis unter dem Fuß. Es bestimmt das allgemeine Fahrverhalten des Skis.
- Unter 90 mm befindest du dich im Bereich der Aufstiegs- und klassischen Tourenskier: leicht, spritzig, effizient auf hartem Schnee und bei Richtungswechseln. Dies ist das Terrain des leichten Tourenskis im engeren Sinne.
- Zwischen 90 und 100 mm befindest du dich im Allround-Bereich. Der Ski bleibt schmal genug, um ohne zusätzlichen Kraftaufwand in bestehenden Spuren zu folgen, bietet aber gleichzeitig genügend Auftrieb im weichen Schnee. Man spricht hier von einem Allround-Tourenski. Jenseits dieser Breite überschreitet der Ski oft die Breite einer klassischen Tourenspur; jeder Schritt erfordert etwas mehr Kraftaufwand.
- Ab 100 mm betrittst du den Bereich des Freerando. Der Ski ist auf die Abfahrt ausgelegt. Er gleitet mühelos durch den Pulverschnee, hält der Geschwindigkeit stand, erfordert aber beim Aufstieg mehr Kraftaufwand.
Das Gewicht
Bei vielseitigen klassischen Tourenskiern liegtdas Gewichtbei etwa 1.100 bis 1.300 g pro Ski. Dies ist die Gewichtsklasse der Modelle, die Effizienz beim Aufstieg mit echtem Fahrgefühl bei der Abfahrt verbinden – genau dort positioniert sich die UBAC-Reihe.
Achtung: Unterhalb dieser Klasse gibt es noch die Welt der ultraleichten Skier (mit 700 g oder weniger), doch das ist eine ganz andere Kategorie, die fast ausschließlich auf die Leistung beim Aufstieg ausgerichtet ist. Ab 1.500 g kommt man zu den Freerando-Modellen, die bei der Abfahrt stabiler, beim Aufstieg jedoch anspruchsvoller sind. Ab 1.500 g kommt man zu den Freerando-Modellen, die bei der Abfahrt stabiler, beim Aufstieg jedoch anspruchsvoller sind.
Der richtige Kompromiss hängt von deiner Fahrweise ab. Wenn du zu 80 % bergauf und zu 20 % bergab fährst, hat das Gewicht Vorrang. Ist es umgekehrt, stehen Stabilität und Breite im Vordergrund.
Das Profil: Camber und Rocker
Der Camber ist die natürliche Wölbung des Skis nach oben, wenn er flach aufliegt. Er sorgt für Grip auf hartem Schnee und für Schwung in der Kurve. Der Rocker ist die umgekehrte Wölbung an der Skispitze und/oder am Skiende: Dies ist der Teil des Skis, der keinen direkten Kontakt zum Schnee hat, wenn der Ski flach aufliegt. Diese Anhebung erleichtert das Drehen, das Schweben im Pulverschnee und die Fehlertoleranz auf unebenem Schnee.
Ein klassischer Tourenski verfügt über einen ausgeprägten Camber mit leichten Rockern: Stabilität und Grip.
Ein Freerando-Ski verfügt über einen reduzierten Camber und großzügige Rocker: Spielbarkeit und Auftrieb.
Der Flex
Der Flex bestimmt die Steifigkeit des Skis bei der Längsbiegung. Ein steifer Flex (stiff) sorgt für Stabilität bei hoher Geschwindigkeit und Präzision in der Kurve. Ein mittlerer Flex ist fehlerverzeihender, lässt sich beim Drehen leichter verbiegen und ist verspielter. Für einen Tourenskianfänger ist ein mittlerer Flex oft besser geeignet.
UBAC 89
Der Entdecker
89 mm an der Bindung. Der leichteste der Serie: 1.150 g in der Länge 155 cm, 1.400 g in der Länge 183 cm. Mittlerer Camber, leichter Double-Rocker, steifer Flex. Der ideale Ski für alle, die gerne Höhenunterschiede bewältigen und für die der Aufstieg zum Vergnügen gehört. Klarer Grip auf hartem Schnee, Wendigkeit bei Schwüngen, überraschende Stabilität für sein Gewicht. Erhältlich in den Längen 155, 162, 169, 176 und 183 cm.
UBAC 95
Das Schweizer Taschenmesser
95 mm an der Bindung. Von 1.240 g (158 cm) bis 1.490 g (185 cm). Gleiches Profil wie das 89er-Modell; mittlerer Camber, leichter Double-Rocker, steifer Flex, aber 6 mm mehr Breite, die im weichen Schnee den entscheidenden Unterschied ausmachen. Er ist der Inbegriff eines vielseitigen Tourenskis: Er fühlt sich sowohl bei technischen Anstiegen als auch bei Abfahrten unter wechselnden Bedingungen gleichermaßen wohl. Erhältlich in den Längen 158, 166, 173, 178 und 185 cm.
UBAC 102
Freerando
102 mm an der Skispitze. Von 1.420 g (168 cm) bis 1.690 g (188 cm). Hier ändert sich das Profil: geringer Camber, ausgeprägter Doppel-Rocker, steifer Flex. Der Ski ist eindeutig auf die Abfahrt ausgelegt. Seine großzügigen Rocker ermöglichen eine hervorragende Leistung im Pulverschnee und bei wechselnden Schneeverhältnissen. Ein direkter, verspielter Ski, konzipiert für anspruchsvolle Skifahrer, die aufsteigen, um abzusteigen. Längen: 168, 175, 181, 188 cm.
UBAC 110
Die Sturmwaffe
110 mm an der Skispitze. Von 1.640 g (173 cm) bis 1.740 g (188 cm). Gleiche DNA wie der 102; geringer Camber, Double Rocker, steifer Flex, maximale Breite. Dieser Ski ist für Pulvertage gedacht. Beschleunigung, Laufruhe, absoluter Auftrieb. Denn Pulvertage sind selten und verdienen es, mit dem richtigen Werkzeug erlebt zu werden. Längen: 173, 180, 188 cm.
Tourenskibindungen
Die Tourenskibindung hat eine Funktion, die die Alpinskibindung nicht bietet: Sie lässt die Ferse beim Aufstieg frei, um eine natürliche Gehbewegung zu ermöglichen, und arretiert sie bei der Abfahrt wieder, um einen Halt zu gewährleisten, der mit dem des Alpinskis vergleichbar ist.
Sie ist die Schnittstelle zwischen Körper und Ski. Die Qualität dieser Verbindung bestimmt, was du in jedem Schwung spürst.
-Bindungssysteme Insert-Bindungen (oder „Pin“-Bindungen)
Das leichteste System. Der Schuh wird vorne an zwei Metallstiften eingeklickt. Bei der Abfahrt rastet die Ferse an einem hinteren Anschlag ein. Dies ist heute der Standard im Skitourensport und wird von der Mehrheit der Skitourengeher verwendet. Die gemeinsam mit ATK in Italien entwickelten Bindungen ZAG FORGE[Tour] und FORGE[Pro] nutzen dieses System.
Hybridbindungen (Typ Salomon Shift oder ATK Hy)
Sie kombinieren eine klassische Alpin-Fersenarretierung mit einem Gehsystem. Sie sind schwerer als Steckaufsatzbindungen, bieten aber bei der Abfahrt einen Halt, der dem des Alpinskifahrens näher kommt. Geeignet für Skifahrer, die ein einziges Setup für Skigebiet und Skitouren suchen.
Auswahlkriterien
Das Gewicht ist entscheidend, wenn der Aufstieg für dich Priorität hat. Der DIN-Bereich muss deinem Gewicht und deinem Leistungsniveau entsprechen: Ein Bereich von 4–10 deckt die Mehrheit der Skitourengeher ab, ein Bereich von 3–11 bietet mehr Spielraum für leichte Skifahrer oder ambitionierte Tourengeher. Für besonders kräftige Skifahrer oder beim anspruchsvollen Alpinskifahren gibt es Bindungen, die weit darüber hinausgehen – bis zu DIN 15 oder 16. Die Breite der Bremsen muss der Breite der Skimitte entsprechen.
Les peaux de phoque
Steigfelle (für die schon lange keine Robben mehr verwendet werden) sind Stoffstreifen, die man zum Aufstieg unter den Ski klebt. Die in eine Richtung ausgerichteten Fasern ermöglichen es, nach vorne zu gleiten, verhindern aber gleichzeitig ein Zurückrutschen.
Die Materialien
Mohair (Angora-Ziegenhaar)
Der beste Kompromiss zwischen Gleitfähigkeit und Griffigkeit. Leicht, geschmeidig, hervorragendes Verhalten auf kaltem Schnee. Weniger langlebig als Synthetik.
Nylon (Synthetik)
Sehr widerstandsfähig und guter Grip bei feuchten Bedingungen. Gleitfähigkeit geringer als bei Mohair.
Mohair-Nylon-Mischung
Der Marktstandard. Kombiniert die Gleitfähigkeit von Mohair mit der Strapazierfähigkeit von Nylon. Das ist die Wahl der ZAG-Reihe: Die POMOCA-Felle aus 70 % Mohair / 30 % Nylon bieten ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Leistung und Langlebigkeit.
Pflege
Lassen Sie die Felle nach jedem Einsatz bei Raumtemperatur trocknen, wobei der Kleber der Luft ausgesetzt sein sollte. Bei der Lagerung benötigen die meisten auf dem Markt erhältlichen Steigfelle ein Schutznetz zwischen den Klebeseiten, doch die ZAG-Steigfelle bilden hier eine Ausnahme; dank ihres Klebstoffs lassen sie sich ohne Netz direkt Haut an Haut zusammenfalten. Flach liegend oder aufgehängt an einem trockenen und temperierten Ort lagern. Bei nachlassender Haftkraft ist ein erneutes Bekleben möglich.
ZAG CLASSIC
Das zuverlässige Einsteigermodell. Gleicher hochwertiger Velours wie beim Pro-Modell, vereinfachtes Klebesystem und vereinfachte Membran. Leicht, praktisch, konzipiert für Gelegenheitsskifahrer, die ein robustes Produkt suchen, ohne zu viel zu investieren.
Die ZAG-Felle sind in den Breiten 89, 95, 102 und 110 mm erhältlich und so zugeschnitten, dass sie zu jedem UBAC-Modell passen.
ZAG PRO
Das Performance-Modell. Bestes Gleiten seiner Klasse bei Mix-Fellen, branchenführende Anti-Verklumpungsbehandlung, hohe Strapazierfähigkeit. Entwickelt für regelmäßige Skitourengeher und anspruchsvolle Touren.
Die ZAG-Felle sind in den Breiten 89, 95, 102 und 110 mm erhältlich und so zugeschnitten, dass sie zu jedem UBAC-Modell passen.
Helm und Sicherheit
Beim Skitourengehen muss der Helm bestimmte Anforderungen erfüllen. Er wird während des Aufstiegs getragen und muss daher leicht und gut belüftet sein. Da er bei der Abfahrt abseits der Pisten Schutz bietet, muss er für den Skisport zertifiziert sein. Und wenn die Route Passüberquerungen beinhaltet, ist eine Bergsteiger-Zertifizierung von Vorteil.
DER STEALTH 3NORM ZAG
Der STEALTH verfügt über eine dreifache Zertifizierung: EN 1077 (Ski), EN 12492 (Bergsteigen) und EN 1078 (Radfahren). Er ist ein Allround-Helm, der drei Einsatzbereiche in einem einzigen Produkt vereint. Seine DualShell-In-Mold-Konstruktion kombiniert eine starre Schale aus Polycarbonat mit hochdämpfendem Schaumstoff, der seitlich mit ABS verstärkt ist. Gewicht: 350 g in den Größen XS–S, 394 g in den Größen M und L. 3D-Verstellsystem, anpassbares Sommer-/Winter-Innenfutter, abnehmbare Ohrpolster, optimierte Belüftung.
Die unverzichtbare Sicherheitsausrüstung.
Ein Helm allein reicht nicht aus. Im Tiefschnee ist das Trio aus LVS-Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät), Schaufel und Sonde unverzichtbar. Es muss bei jedem Ausflug mitgeführt werden, auch auf Routen, die du in- und auswendig kennst. Ein Nullrisiko gibt es in den Bergen nicht. Zu wissen, wie man sein LVS-Gerät bedient, ist genauso wichtig wie es mitzuführen: Zu Beginn jeder Saison organisieren Vereine und Bergführer entsprechende Schulungen.
Skitourenstöcke
Beim Skitourengehen sind Teleskopstöcke der Standard. Sie lassen sich in der Länge verstellen, um sie an den Aufstieg anzupassen (länger auf ebenem Gelände, kürzer im Gefälle), und lassen sich zum Tragen am Rucksack zusammenklappen. Feste Stöcke sind leichter und steifer, aber in der Anwendung weniger praktisch.
Die Auswahlkriterien: das Gewicht (bei Tausenden von Stockstößen zählt jedes Gramm), die Stabilität des Verriegelungssystems, der Griff (beim Aufstieg schwitzen die Hände) und die für Tiefschnee geeignete Scheibe. Ein verlängerter Griffbereich am Schaft ist beim Wandern ein echtes Plus: Er ermöglicht es, die Hand weiter nach unten zu positionieren, ohne die Einstellung zu verändern, insbesondere in Querhängen. Dies ist bei den ZAG-Stöcken der Fall. Eine einstellbare Länge zwischen 110 und 140 cm deckt die meisten Körpergrößen und Hänge ab.
Alles beginnt mit einem ersten Schritt
Skitourengehen ist nicht einfach nur eine weitere Sportart. Es ist eine Art, die Berge zu erleben. Jede Tour ist anders. Jeder Aufstieg verleiht der Abfahrt ihren Wert. Und an manchen Tagen, wenn der Schnee gut ist und der Körper seinen Rhythmus findet, passt einfach alles zusammen. Der Ski trägt dich. Das Gelände reagiert auf dich. Du kommst ein bisschen verändert wieder herunter. Seit 2002 entwerfen wir in den Alpen Skier genau dafür. Für diese Momente, in denen die Form, die wir dem Ski gegeben haben, auf die Linie trifft, die du im Schnee ziehst.